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«Ich bin Teil des Problems» – Wer im Zug von Zürich nach Bern zuhört, merkt: Die Schweiz streitet gar nicht über Dichte

Gespräche aus dem IC 1, dem dichtesten Ort der Schweiz.

Das Problem sitzt immer im gleichen Wagen, immer Wagen 9, immer in der ersten Klasse. Es hat einen unverdächtigen Namen, Thomas Meier, aber der Name täuscht.

Um 7 Uhr 32 ist Thomas Meier in Zürich wie jeden Morgen in den berüchtigtsten Zug der Schweiz eingestiegen, den IC 1, Zürich–Bern, 400 Meter Zugwaggons, davon die meisten doppelstöckig. Aber um diese Uhrzeit sind es trotzdem zu wenige Waggons, damit alle Menschen, die mitfahren wollen, einen Sitzplatz finden.

Thomas Meier zieht Kopfhörer an, legt die Jacke in den Schoss, balanciert den Laptop darauf und achtet, dass seine Knie keine fremden Beine berühren. Eine routinierte Folge von Handgriffen und Bewegungen, das Ritual eines Pendlers.

Aber Meier macht auch etwas, was nicht alle machen: Er wälzt in diesen Tagen eine unangenehme Frage.

Alle paar Jahre streitet die Schweiz darüber, wer zu ihr gehören darf, wer rein- und wer raussoll, ob es zu viele Fremde hat oder bald zu viele Fremde haben wird. Seit ein paar Wochen ist der Streit noch viel grundsätzlicher als früher. Das Land streitet jetzt, wie viele Menschen es überhaupt verträgt, in der Badi, in der Migros, im Zug.

Vor allem in diesem einen Zug: Für die Befürworter der 10-Millionen-Initiative der SVP ist der volle IC 1 zwischen Zürich und Bern das Lieblingsbeispiel dafür, dass es so nicht weitergehen kann.

Dichtestress ist ein Wort aus der Rattenforschung. Als ein Wissenschafter einmal zu viele Ratten in ein Gehege steckte, fingen sie an, sich totzubeissen. Vielleicht reagieren viele Menschen auch deshalb bis heute so empfindlich, wenn es eng wird: weil die Angst davor biologisch programmiert zu sein scheint.

Neben Meier haben jetzt auch andere Passagiere ihre Laptops aufgeklappt, ein Computerwald auf kleinen Tischchen. Der IC 1 zwischen Zürich und Bern ist am Morgen nicht einfach ein Zug, sondern eines der dichtesten Büros der Schweiz, wo wildfremde Menschen Schulter an Schulter Sitzungen abhalten. Sie sitzen enger nebeneinander als in jedem Sitzungszimmer.

Thomas Meier fragt sich: Bin ich auch mitschuldig daran? Dass einem nun tatsächlich alle zu nahe kommen? Schuld daran, dass auch er in diesem Zug jeden Morgen den Gedanken verdrängen muss, dass es vielleicht bald nicht mehr genug Platz für alle geben könnte?

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